16.06.2013

Wieviel Gehalt und Provision verdienen bekommen die Außendienste der Euroweb/Webstyle, Internet Online Media GmbH*?

Die Euroweb Internet GmbH hat, aus deren eigenen Aussagen grob geschĂ€tzt, ca. 350 bis 400 Mitarbeiter im Vertrieb. Diese schließen fĂŒr die Euroweb und deren Tochterfirmen jĂ€hrlich ca. 6000 VertrĂ€ge, von denen ich vermute das ca. 1000 storniert werden. Wenn nicht mehr. Die pressebekannte Zahl der Rechtsstreite um solche stornierten AuftrĂ€ge geht jedenfalls in die Tausende.

Also bleiben geschĂ€tzte 5000 VertrĂ€ge per anno. Durch (nur) 350 Mitarbeiter dividiert sind das rund 14 VertrĂ€ge pro Jahr und Mitarbeiter. Rechnen wir also mal großzĂŒgig mit durchschnittlich 1,2 VertrĂ€gen pro Monat und Mitarbeiter.

Aus der Provisionsvereinbarung:
"Der Umsatz berechnet sich aus allen in einem Monat zu verprovisionierenden VertrĂ€gen, dass heißt aus allen VertrĂ€gen die vom ersten Tag bis zum letzten Tag des jeweiligen Monats abgeschlossen wurden. Der Umsatz besteht aus der Summe aller vertraglich mit den jeweiligen Endkunden vereinbarten Netto-Monatsentgelte.
  • FĂŒr einen Monatsumsatz bis 650,00 EUR wird eine einmalige Provision in Höhe von 50% des tatsĂ€chlichen Monatsumsatzes gezahlt.
  • FĂŒr einen Monatsumsatz von 651,00 bis 900,00 EUR wird eine einmalige Provision in Höhe von 100% des tatsĂ€chlichen Monatsumsatzes gezahlt.
  • FĂŒr einen Monatsumsatz von 901,00 bis 1.000,00 EUR wird eine einmalige Provision in Höhe von 150% des tatsĂ€chlichen Monatsumsatzes gezahlt.
  • FĂŒr einen Monatsumsatz ab 1001,00 EUR wird eine einmalige Provision in Höhe von 200% des tatsĂ€chlichen Monatsumsatzes gezahlt."
1,2 VertrĂ€ge/Monat im Durchschnitt bedeuten (bei einem typischen Vertrag ĂŒber ca. 200 Euro/Monat also einen durchschnittlichen Umsatz von 240 Euro pro Mitarbeiter. Der bekommt also im Schnitt 120 Euro. "Geld" gibt es erst wenn ein Mitarbeiter rund das 2,5-fache des Durchschnitts bringt. Die Provision liegt in diesem schon recht unwahrscheinlichem Fall dann - brutto - bei "erstaunlichen" 600 Euro. Der Rest sind "Geschichten vom Pferd", denn ein Umsatz von einem Vertrag pro Woche scheint unerreichbar.

Ansonsten gibt es noch das hier:
"Der Arbeitnehmer erhĂ€lt fĂŒr seine TĂ€tigkeit ein monatliches Gehalt von EUR 1.000,00 brutto. Durch diese VergĂŒtung ist eine etwaige Mehr- oder Überarbeit des Arbeitnehmers abgegolten."
(PrekĂ€re Realsatire aus einem real-prekĂ€ren Vertrag - zu dem die (dann) Ă€rmsten unter allerlei lustigen und vor allem höchst unzutreffenden Aussagen ĂŒber die Einkommenschancen ĂŒberredet wurden und werden.)

Nicht nur im Falle von Urlaub, Krankheit oder einer Clusterung von Stornos kann der Euroweb-Außendienst also in vielen FĂ€llen mit dem Fahrrad (nicht etwa dem Dienstwagen!) zur "Jobagentur" pedalieren um "Hartz IV" zu beantragen.

"Arme Sau" möchte man zu solchen "Aufstockern" sagen und das möchte ich nicht als Beleidigung sondern als pures Mitleid verstanden wissen.

Und mich wundert auch nicht, dass ein Rechtsanwalt mir gegenĂŒber wie folgt aussagte:
  • In noch keinem Prozess war der von der Euroweb als Zeuge aufgebotene "AbschlußbevollmĂ€chtigte" noch bei der Euroweb(*) beschĂ€ftigt.
  • In sĂ€mtlichen Verfahren haben diese "Zeugen" - recht lustlos wirkend - angegeben, sich an das VertriebsgesprĂ€ch und also die UmstĂ€nde des Vertragsschlusses nicht (mehr) erinnern zu können.
  • In sĂ€mtlichen diesen FĂ€llen wurde darauf hin von der Euroweb die Klage zurĂŒck genommen oder ein sehr gĂŒnstiger Vergleich (weit unter 10% der Klagesumme) geschlossen oder zu Gunsten des beklagten Kunden geurteilt.
  • Auf meine Frage, um wie viele FĂ€lle es gehe, sagte er mir: "Ach, die habe ich nicht mehr gezĂ€hlt - das sind so einige."
Das sind dann die Ă€ußerst vielen FĂ€lle hinsichtlich derer auf der Webseite der Berger Law LLP eine vorsĂ€tzliche Demenz herrscht. Denn dort wird, auch zu dem Zweck, kĂŒndigungswillige Referenzkunden zu einer ĂŒberhöhten Zahlung zu nötigen, nur geschrieben, wenn der garstige Euroweb-Anwalt ausnahmsweise mal einen Blumentopf gewinnt. Und sei es auch nur ein Kaktus zum Draufsetzen mit Pfand auf den Topf.

*) Angestellt werden die armen Tore natĂŒrlich nicht etwa direkt, sondern bei einer scheinselbststĂ€ndigen Vertriebsagentur.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Heilige Schleppscheiße!

Beinahe hĂ€tte ich Zeit und Geld fĂŒr ein VorstellungsgesprĂ€ch verschwendet.

Kommentar veröffentlichen